1983 gründeten wir das »Berliner Familientheater – Berlin Aile Tiyatrosu«.
»Wir« – das waren aus der Türkei stammende Familien, teils mit Kindern, teils ohne Kinder, die schon verstanden hatten, dass eine Rückkehr in die Heimat nicht so bald stattfinden würde. Wir nahmen Theater als ein Ausdrucksmittel, um unsere Geschichten in der Fremde zu erzählen, und als Brücke zu einem internationalen Publikum. Gültekin İpek war der Vorreiter des Ganzen.
Die Proben fanden in Wohnungen, Kindergärten und, wenn es nicht anders ging, in Parks statt. Aufgeführt wurden unsere fast immer zweisprachigen Stücke (deutsch und türkisch) im Ballhaus Naunynstraße, der Spielstätte des Kreuzberger Kunst- / Kulturamts.
Mit dem Umzug in eigene Räume in der Oranienstr. 34 gaben wir uns den Namen »Türkisches Kulturensemble Berlin« und gründeten den Diyalog e.V. Wir brachten pro Jahr mindestens eine eigene Theaterproduktion heraus.
1995 veranstalteten wir das erste Diyalog Theaterfest. Nach zwei weiteren Festivals kehrten einige unserer aktiven Mitglieder in die Türkei zurück andere machten sich als Künstler selbständig oder gingen andere Wege. Ich gab es nicht auf, machte weiter, weil die Resonanz immer weiter wuchs: immer mehr Künstlergruppen wollten am Festival mitwirken und die Zuschauerzahlen wuchsen von Jahr zu Jahr. Inzwischen ist das Diyalog Theaterfest ein international bekanntes mehrkulturelles Theaterfestival geworden, das im Ballhaus geboren und groß wurde und dort ein dauerhaftes Zuhause gefunden hat.
RUMUZ GONCAGÜL / KENNWORT ROSENKNOSPE (1984)
von Oktay Arayıcı
MİSAFİR / DER GAST (1985)
von Bilgesu Eranus
BÜYÜK ROMULUS DER GROSSE (1988)
von Friedrich Dürrenmatt
ZWEI VERLORENE / KİRLİ GECEDE KAYBOLAN İKİ KİŞİ (1988)
von Plinio Marcos
DÖNÜŞ / DIE RÜCKKEHR (1989)
von Neşet Erol
ALLEM KALLEM (1990), Kinderstück
von Nazım Hikmet
PICKNICK IM FELDE (1991)
von Fernando Arabal
DAS KAMEL (1992), Kinderstück
von Dimutru Soloman
BEZAHLT WIRD NICHT! (1993)
von Dario Fo
DER INDIANER WILL ZUR BRONX (1994)
von Israel Horowitz
DER KLEINE SCHWARZE FISCH (1994), Kinderstück
von Samad Bahranghi
KARDAN UND LEYLAKI (1996), Kinderstück
von Rafik Schami
VORSICHT GRENZE (2007), Kinderstück
von Tini Cermak, Andreas Moldaschl und Alvaro Solar
Mit vier eigenen Produktionen und zahlreichen Gastaufführungen veranstalteten wir Anfang 1995 das erste Diyalog Theaterfest Berlin. Die ungemein große Resonanz, die das Theaterfest beim international zusammengesetzten Publikum und bei den Medien fand, zeigte die Notwendigkeit eines solchen Forums des kulturellen Austauschs. Angesichts des hier deutlich gewordenen Bedarfs, der sich auch in dem Interesse zahlreicher Theatergruppen an der Teilnahme an diesem Festival zeigte, sah das Diyalog-Team es als eine Aufgabe an, das Theaterfest nicht ein einmaliges Ereignis bleiben zu lassen, sondern in den Folgejahren weitere Feste des deutsch-türkischen Theaters und des Theaters anderer Migrantengruppen zu organisieren.
Am Diyalog Theaterfest können sowohl professionelle als auch Amateur-Gruppen mit motivierenden Ansätzen teilnehmen. Es ist ein Festival der Anderen. Eines der Prinzipien des Diyalog ist, mit Künstlern zusammen zu arbeiten, die bereit sind, in Dialog zu treten und sich inhaltlich und konzeptionell mit dem Festival zu identifizieren.
Die zentrale Absicht des Theaterfestes ist, die unterschiedlichen Kulturen durch die Kunst zusammenzubringen, die Möglichkeit zu schaffen, das Lebensgefühl, die Nöte, aber auch den Schönheitssinn anderer Kulturen zu begreifen, die gegenseitigen Einflüsse zu entdecken und sich inspirieren zu lassen von ungewohnten Sichtweisen. Deutlich werden zu lassen, dass sich Kulturen zwar in ihren Symbolen und Ausdrucksformen unterscheiden, dahinter jedoch immer Menschen stehen, die sich im Wesen weder in ihrer Freude noch in ihrer Not unterscheiden. Dieses Ziel verfolgt das Diyalog Fest in drei Richtungen:
den in Berlin lebenden Künstlerinnen, Künstlern und Künstlergruppen aus anderen Kulturen soll ein Podium gegeben werden, auf dem sie ihre Arbeit einer wirklich breiten Öffentlichkeit weit über den Rahmen ihrer jeweiligen ethnischen und kulturellen Bezugsgruppen hinaus präsentieren können;
qualitativ hochwertige und innovative Inszenierungen aus dem Ausland werden dem Berliner Publikum als Gastspiele zugänglich gemacht. Zugleich soll damit die Zusammenarbeit der internationalen Künstler gefördert und zur Entwicklung eines europäischen Netzwerkes des Migrantentheaters beigetragen werden;
noch mehr Menschen, insbesondere aus der jungen Generation, sollen als Publikum dem Theater gewonnen, für diese Kunst und das, was sie zu sagen hat, begeistert werden.
Das Diyalog Theaterfest hat bisher 190 Produktionen – Kinderstücke, Erwachsenenstücke, Konzerte, Ausstellungen und Podiumsdiskussionen – angeboten. Es haben ca. 50.000 Zuschauer aus verschiedenen Kulturen die Veranstaltungen besucht. Diese fanden in türkischer, persischer, griechischer spanischer, italienischer, japanischer, holländischer und englischer Sprache statt.
Im Rahmen des TheaterFestes wurden zahlreiche Workshops angeboten mit der Aufgabe, jungen Talenten die Möglichkeit zu bieten, sich künstlerisch auszudrücken und sich eventuell für eine künstlerische Laufbahn zu entscheiden. Die Ergebnisse dieser Workshops stießen beim Publikum immer auf sehr großes Interesse.
Das Diyalog Theaterfest wurde 2006 für die zahlreichen Gastspiele, Kooperationen und Eigenproduktionen in den vergangenen zehn Jahren mit der »Berliner Tulpe«, einem Preis, der von der Körber-Stiftung für Verdienste um den deutsch-türkischen Dialog verliehen wird, ausgezeichnet.
Theater Diyalog Berlin










